Modellprojekt - Jungenarbeit Sachsen

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Kalenderblatt November 2007

Piratensommercamp


Teilnehmer: Patrick Büttner, Thomas Chwoika
Tom*, Steffen*, Carsten*, Klaus*, Matthias*, Jörg*, Gerd*

Ziel: Die Jungen finden gewaltfreie Problemlösungen

    • Die Jungen erleben im Rahmen eines Angebotes die positiven Kräfte der Aggression.
    • Die männlichen Mitarbeiter wissen, wo ihre emotionalen Grenzen im pädagogischen Handeln sind. Den männlichen Mitarbeitern steht ein „Schutzraum" zur Verfügung.
    • Aggression als Teil von Männlichkeit wird bei der Planung der Angebote berücksichtigt.
    • Meine eigenen Schwächen sind als Teil meiner Arbeit sichtbar.



Verlauf:
Thematisch wurde das Camp als Piratencamp vorbereitet. Die Jungen wurden noch vor der Abfahrt mit einem Spiel zum Kennenlernen auf das Thema vorbereitet (Ballspiel, Piraten müssen sich kennen und gemeinsame Regeln beachten). Allen Teilnehmern und den Eltern wurde im Vorfeld eine detaillierte Tagesverlaufsskizze gegeben. So wussten die Jungen was sie erwartet und die Eltern konnten ihre Jungen sorglos fahren lassen. Ängste und Unsicherheiten wurden durch dieses Verfahren im Vorfeld minimiert. Ziel der Fahrt war Henschleben in Thüringen an der Unstrut. Vor Ort hatten wir einen Partner (Uwe) für die Bootsausleihe und Paddeltour gebucht. Das Thema Piraten wählten wir mit Blick auf unser Hauptziel.



Zuschreibungen und Rollenklischees von Piraten wie mutig, kämpferisch, tapfer, gesetzlos, wild, geschickt, angsteinflößend, aggressiv, starke Männer, laut, zusammenhaltend und mit dem Wasser verbunden waren Anknüpfungspunkte während des Camps. Gemeinsame Gruppenspiele und Rituale fanden dann immer in thematischer Einflechtung von Pirat sein statt. Bei der Ankunft wurde symbolisch die Piratenfahne als sichtbares Zeichen gehisst, schwarze Stirnbänder symbolisierten den Zusammenhalt der Gemeinschaft und die Schiffsglocke kennzeichnete Zeitpunkte für gemeinsame Spiele und Rituale. Die Rituale nutzten wir, um mit den Kindern, gemeinsame Spannungen, welche im Laufe des Camps entstanden, zu bearbeiten. Dabei wurden folgende Methoden benutzt: Schutzkugelübung, Standfest bleiben, Grenzen setzen und wahrnehmen, Kampfspiele (Anlage). Eine mitgenommene Kiste hatte die Funktion der Schatzkiste. In dieser wurden alle Dinge und Erlebnisse vom Tag am Abend hineingetan und bewahrt. Den Gegenpol zu den eher „abstrakten" Dingen, welche Fantasie und Vorstellungskraft bedürfen, bildeten die körperlich anstrengenden Aktivitäten wie Paddeln, Baden, Floß bauen und fahren sowie Holz holen und zersägen. Jeden Abend gab es ein Lagerfeuer, das von verschiedenen Jungen gehütet wurde. Am vorletzten Tag nahmen wir die Möglichkeit wahr, im Umwelthaus vor Ort die Natur und die Tiere der Umgebung sowie junge Schleiereulen im Kirchturm anzuschauen.


Anlagen

Schutzkugelübung
Ziele: Selbstwahrnehmung, Reflexion der eigenen Gefühle, Umgang mit Grenzen, Gestaltung von Nähe und Distanz.
Ablauf: Anleitung zu einer inneren Aufmerksamkeit, eventuell mit geschlossenen Augen. Bild von einer Schutzkugel rund um den eigenen Körper entwickeln, z.B. wie eine Seifenblase, eine Farbe dafür finden. Augen öffnen, mit der Kugel sich in Bewegung bringen, durch den Raum gehen, ohne andere zu berühren. Langsam bewegen und spüren wie dies ist. Danach Kontakt mit anderen aufnehmen, andere Kugeln vorsichtig berühren, vielleicht sogar eindringen.
Reflexionsfragen: Ist es dir gelungen eine Kugel zu finden? Wie groß war sie? Wie fühlte sich diese Kugel, dein Raum an? Wie war es in Bewegung und Begegnung mit anderen? Gibt es in deinem Leben einen Raum für dich? Wer achtet diesen Raum und wer nicht? Was brauchst du, damit dein Raum geschützt bleibt?

Grenzen setzen
Ziele: Kennenlernen und Sensibilisierung für die eigenen Grenzen in der Beziehungsgestaltung
Ablauf: Jeweils zwei Personen stehen sich im Abstand von mehreren Metern gegenüber. Eine Person geht auf die andere Person zu. Diese stehenbleibende Person nimmt wahr, wann die zugehende Person nahe genug ist und setzt ein Stoppzeichen. Das Stoppzeichen kann mit Blick, mit Stimme (Stopp), mit ausgestrechten Arm und / oder mit vorgestreckter Handfläche gegeben werden. Die gehende Person kann in unterschiedlichem Tempo auf den Gegenüber zugehen. Es empfiehlt sich die Übung mehrmals in unterschiedlichen Varianten und mit verschiedenen Partnern zu machen.
Reflexionsfragen: Habe ich meine Grenze rechtzeitig erkannt? Habe ich die Grenze deutlich genug signalisiert? Konnte mein Partner die Grenzsetzung erkennen und annehmen?

Aus der Balance bringen
Ziele: Kennenlernen des eigenen Standpunktes. Wahrnehmen von eigenen Verhalten in Konfliktsituationen.
Ablauf: Jeweils zwei Personen stehen sich gegenüber. Sie nehmen ihre Hände vor den Körper und versuchen den Partner durch Stöße gegen seine Handflächen aus dem Gleichgewicht zu bringen ohne dabei selbst das Gleichgewicht zu verlieren
Reflexionsfragen: Wie stehe ich? Wie kann ich meinen Standpunkt und meine Balance verbessern? Wie setze ich mich für meine Bedürfnisse ein?

Schieben, Eiern, Nachgeben
Ziele: Kennen lernen des eigenen Standpunkts und der Beziehungsgestaltung, besonders im Umgang mit Aggression.



Ablauf: Zwei Personen stehen sich gegenüber. Hände vor die Brust, die Handflächen berühren sich. Der Blickkontakt wird gehalten.
Experimentieren mit verschiedenen Kontaktvarianten:

    • Beide drücken gleichzeitig (Mit ganzer Kraft drücken).
    • Nur eine Person drückt - andere Person lässt sich drücken.
    • Ohne viel Kontakt der Hände, beide schlabbern mit den Händen herum.

Reflexionsfragen: Welcher Kontakt war gut? Welcher nicht? Wo kennst du ähnliche Kontaktaufnahmen und Beziehungsgestaltungen? Welcher Kontakt hilft dir bei Wut am ehesten?

Kampfspiele Regeln für ritualisierte Kampf- und Konfliktübungen:

    • vorher aufwärmen
    • Schmuck, Uhren, Gürtel abnehmen, eventuell Schuhe ausziehen
    • klarer Beginn, klares Ende
    • „Stopp“ eines Kämpfenden oder des Anleiters bedeutet den Kampf sofort zu unterbrechen
    • wenn ich in den Kampf- oder Konflikt gehe, gebe ich alles (wild ja, blind nein)
    • benennen, wofür ich kämpfe
    • im Blickkontakt mit dem Gegenüber bleiben
    • mein Gegenüber ist mein Partner
    • Dank an den Partner nach Ende des Kampfes
    • nach dem Kampf wird erst der Unterlegene und dann der Überlegene mit dem versorgt was er braucht (Aufmerksamkeit für jeden)
    • der Kampf findet im Kreis der Gruppe statt
    • die Gruppe hält den Kampf, bleibt hier und unterstützt
    • Ringen
    • Kämpfen mit Schaumstoffstangen



Ablauf
1. Tag



08.00 Uhr Ankommen
08.15 Uhr Begrüßung aller Jungen und Männer
08.30 Uhr Regelspiel
09.00 Uhr Abfahrt nach Henschleben
10.30 Uhr Pause
12.00 Uhr Ankunft in Henschleben
12.30 Uhr Mittagessen, Kennenlernen des Ortes
13.30 Uhr Ankunftsritual (Wir sind Piraten an einem geheimen Ort)
14.00 Uhr Bootsschau, Auswahl des Bootes
15.00 Uhr Sicherheitstraining
18.00 Uhr Abendbrot
19.00 Uhr Zelte einrichten
20.00 Uhr Abendritual (wir packen die Erlebnisse, gefundene Dinge etc. in die Schatzkiste)
20.30 Uhr Aktivitäten (Lagerfeuer, Geschichten erzählen, vorlesen)
22.00 Uhr Nachtruhe

2. Tag
08.00 Uhr gemeinsames Aufstehen
08.30 Uhr Frühstück
09.30 Uhr Tagesbeginnritual (Thema: Wir sind Piraten und wollen heute…z.B. neue Gebiete erobern)
10.00 Uhr Start zur geführten Tagestour
13.00 Uhr Mittagessen
14.00 Uhr Weiterfahrt
18.00 Uhr Ankunft bei den Zelten
19.00 Uhr Abendbrot
20.00 Uhr Abendritual (wir packen die Erlebnisse, gefundene Dinge etc. in die Schatzkiste)
20.30 Uhr Aktivitäten (Lagerfeuer, Geschichten erzählen, vorlesen)
22.00 Uhr Nachtruhe



3. Tag
08.00 Uhr gemeinsames Aufstehen
08.30 Uhr Frühstück
09.30 Uhr Tagesbeginnritual (Thema: Wir sind Piraten und wollen heute z.B. ein neuen Stützpunkt bauen und in etwas erobern)
10.00 Uhr Wir bauen gemeinsam ein Floß
13.00 Uhr Mittagessen
14.00 Uhr gemeinsames Kräftemessen
16.00 Uhr Baden, Spielen, Sport
19.00 Uhr Abendbrot
20.00 Uhr Abendritual (wir packen die Erlebnisse, gefundene Dinge etc. in die Schatzkiste)
20.30 Uhr Aktivitäten (Lagerfeuer, Geschichten erzählen, vorlesen)
22.00 Uhr Nachtruhe

4. Tag
08.00 Uhr gemeinsames Aufstehen
08.30 Uhr Frühstück
09.30 Uhr Tagesbeginnritual Thema: Wir sind Piraten sind entdeckt und müssen unseren Stützpunkt verlassen)
10.00 Uhr Floßabbau
13.00 Uhr Mittagessen
14.00 Uhr Abbau der Zelte, Einpacken
15.00 Uhr Abschlussritual (die Schatzkiste wird gut verwahrt und eingepackt)
16.00 Uhr Abfahrt in Henschleben
18.00 Uhr Ankunft in Dresden
18.00 Uhr Eltern holen ihre Jungen ab







Weitere Aktivitäten: Pilgern mit Jungs


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