Kalenderblatt Juli 2007
Modellprojekt Jungenarbeit interessiert japanischen Professor
Da staunten wir nicht schlecht, als Professor Hisao Ikeya extra nach Chemnitz reiste,
um sich persönlich über das Modellprojekt Jungenarbeit in Sachsen zu informieren.
Der Sozialpädagogikprofessor von der Nihon Fukushi Universität übernahm eine einjährige
Gastprofessor bei Prof. Faulstich-Wieland in Hamburg und forscht über die Jungenarbeit in Deutschland.
In Chemnitz überraschte er Peter Wild, den Leiter des Landesmodellprojektes, mit fachlichen Details zur
sächsischen Jungenarbeit. Prof. Ikayo hatte sich sehr gut vorbereitet und die letzte CORAX-Ausgabe mit dem
Schwerpunkt Jungenarbeit durchgearbeitet. Nachdem er sich über die Aufgabe des Modellprojektes und die
Ansätze in Chemnitz, Zittau, Dresden und Schwarzenberg informiert hatte, stellte er viele Fragen zur
Situation von Jungen in den neuen Bundesländern. Er verglich immer wieder die Situation von Jungen
in Ost und West. Bei meinen Nachfragen zur Jungenarbeit in Japan wurde deutlich,
dass geschlechtsbewusste Pädagogik im Land der aufgehenden Sonne kaum existiert.
Das traditionelle japanische Männerbild definiert sich vor allem über beruflichen
Erfolg und Leistungsfähigkeit. Die Gleichheit von Mann und Frau ist per Gesetz
geregelt, aber in der japanischen Lebensrealität noch lange nicht angekommen.
Berufstätige Väter sind fast immer abwesend und durch die, für europäische
Verhältnisse, überlangen Arbeitszeiten auch nicht in der Lage am Alltag ihrer
Familien teilzuhaben. Die gesamte Erziehungsarbeit übernehmen daher die Mütter. Prof. Ikeya berichtet
von einem großen Leistungsdruck den die Jungen, im Gegensatz zu den Mädchen, von den Müttern spüren.
Was bleibt von diesem Besuch? Zum einen die Wertschätzung für die gegenseitige Arbeit und dazu die Gewissheit,
dass wir mit dem Modellprojekt auf einem guten Weg sind.

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