Modellprojekt - Jungenarbeit Sachsen

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Wintercamp 2009 „Für was lohnt es sich zu kämpfen?“

„Ich hab richtig gemerkt wie Du auf Heiko wütend warst. Mir geht es oft genauso.“ Diese Worte sagte mir Thomas am zweiten Tag in unserem Wintercamp. Wir, vier Jungen im Alter zwischen 11 und 14 Jahren sowie zwei Männer, hatten uns in die Sächsische Schweiz zurückgezogen, um mit den Jungen zusammen einen gemeinsamen Erfahrungsraum zu entdecken. Die thematische Überschrift des Camps lautete: für eine Sache kämpfen. Der zurückgezogene Ort bot uns die Möglichkeit sensible Themen für die Jungen fass- und erlebbar zu gestalten. Themen waren: Körperlichkeit, Sexualentwicklung, Familie, Spiel, Kommunikation, Kooperation, Aggression.

Eine Auswahl der Mannschaft des Wintercamps

„Ich bin auch wütend auf Heiko. Er will immer über alle bestimmen. Das nächste mal mache ich ihn platt“ so Thomas weiter. Ich frage Thomas warum ihn Heiko so auf die „Palme“ bringt. Er erzählt, dass ihn noch viel mehr auf die „Palme“ bringt, und das er eh bald wieder nach Hause geht. An diesem Tag reden wir nicht weiter über diese Thema. Wir arbeiten gemeinsam schwer, indem wir Schnee schippen, Holz hacken, Abendbrot vorbereiten und „Billy Elliot – I will Dance“ schauen. Den Tag lassen wir gemeinsam mit einer Geschichte ausklingen.

Holz hacken mussten wir auch

Am nächsten Morgen gibt es Streit zwischen Heiko und Thomas. Heiko hat Thomas sehr unsanft aus dem Bett gescheucht. Beide wollen nichts mehr gemeinsam machen. Die beiden anderen Jungen positionieren sich jeweils zu einer Partei. Durch kurze Absprache mit meinem Kollegen Jens ändern wir den Tagesablauf. Jens geht mit Heiko und seinem „Partner“ in den Wald eine Höhle suchen. Ich bleibe mit Thomas und seinem „Partner“ zurück. Thomas ist immer noch aufgebracht und will die Hütte auf keinen Fall verlassen. „Wenn der zurückkommt mach ich ihn platt“ so Thomas. Ich biete ihm den Stockdialog an. Ziel dabei ist das Erzählen und der Austausch von Emotionen. Wir stellen uns gegenüber auf und schlagen abwechselnd mit einem Stock auf einen Stoffsack. Mit unseren Schlägen treten wir in einen Dialog. Der Blickkontakt wird gehalten. Nach ca. 5 min beende ich den Dialog. Wir bleiben beide stehen und ich frage ihn, ob er noch etwas erzählen will. Er verneint. Eine halbe Stunde später erzählt er mir, dass er eigentlich schon lange wieder zu Hause leben sollte. Er möchte zu seinem Vater ziehen. Dieser verspricht ihm dies auch öfter, aber dann ging es doch nicht. Das mache ihn alles wütend. Ihn ärgert diese Unsicherheit, dann werde er wütend und könne alles kurz und klein schlagen. Alle wollen nur über ihn bestimmen und niemand frage ihn was er will. Ich biete Thomas an dieses Thema in die nächste Teamberatung mitzunehmen. Dann könnten gemeinsame Lösungen, mit ihm erarbeitet werden. Er nickt.
„Und was machen wir mit Heiko?“ So meine weitere Frage. „Wir schaufeln das Tor mit Schnee zu und lassen ihn nicht mehr rein. Wenn er über das Tor klettern will, hau ich ihn runter.“ Ich mache ihm sichtbar, dass er dann auch was einstecken können muss. Thomas überlegt. Mein Vorschlag Heiko und die zwei anderen mit Schneebällen zu empfangen nimmt Thomas an. Wir verbarrikadieren das Tor und Formen viele Schneebälle…

Wir hatte eine Menge Spaß im Schnee


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